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Friede Institut für Dialog

Gelebter Dialog Bericht: Tag der offenen Tür

Tag der offenen Tür im Friede - Institut

Am 7. Mai 2011 im Rahmen der 1. Wiener Integrationswoche fand von 12–20 Uhr der Tag der offenen Tür im ‚Friede – Institut für Dialog‛ statt. Interessierte hatten die Möglichkeit, bis 20 Uhr das Institut zu besuchen und sich über den interkulturellen Dialog zu informieren. Ein internationales Buffet bietete den BesucherInnen die Gelegenheit, mit Mitgliedern des Instituts und mit anderen Gästen in einen Dialog zu treten. Um 18 Uhr hielt Dr. Ismayil Tokmak einen Vortrag über die Auswirkungen der Integration auf die Gesundheit des Menschen . 

 

Vortrag zum Thema „Integration und Gesundheit“

Dr. Tokmak, der selbst mehrere Jahre in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses tätig war, erläuterte im ersten Teil seines Vortrags einschlägige von AUSTRIA veröffentlichte Statistiken zu dem Thema und illustrierte anschließend anhand von Fall­beispielen aus der eigenen ärztlichen Praxis den Zusammenhang zwischen proble­matischen Erfahrungen im Zuge des Integra­tions­­prozes­ses und see­lischen Störungen bei den betroffenen Menschen. Zwar gebe es keine umfassen­den Daten bezüglich des Gesundheitszustands von Migranten in Österreich, doch geben Patienten-Statistiken Aufschluss über die enormen Schwie­rig­keiten, mit denen Migranten angesichts eines ihnen fremden und sprachlich nicht zugänglichen Gesundheitssystems zu kämpfen haben.

Zu den wichtigsten Faktoren, die den Gesundheitszustand mit beeinflus­sen können, zählen der durch die Migration hervorgerufene „Kulturschock“, psychosozialer Stress im Zusammenhang mit der Integration, Ängste, etwa vor politischer Verfol­gung im Heimatland, Ungewissheit bezüglich des Aufenthaltsstatus etc. Das jeweilige Bil­dungs­­niveau beeinflusse dabei in erheblichem Maße die Fähigkeit des betroffenen Menschen, mit Stresssituationen umgehen zu können. Neben der Umstellung des Lebensstils, einem neuen Arbeitsumfeld und einigen möglicherweise zusätzlich erschwerenden Faktoren, wie Schwangerschaft, Arbeitslosigkeit, Ge­walt­erfahrung etc., sind laut Tokmak besonders die sprachlich-kulturellen Faktoren für die gesund­heitliche Entwicklung von großer Bedeutung.

Die Fallbeispiele, die Dr. Tokmak aus seiner ärztlichen Praxis anführte, veran­schaulichten nicht nur die Komplexität dieser Faktoren bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Gesund­heit, sondern sie illustrierten auch sehr eindrücklich den Zusam­men­hang zwischen der sprachlichen Barriere, die es dem Migranten nahezu unmöglich macht, sein Leiden angemessen zu artikulieren, und einer Verschlech­terung seiner seelischen und körperlichen Verfassung.

In der anschließenden Diskussion wurde vor allem die Rolle der Verdrängung bei traumatischen Erfahrungen thematisiert – seien diese durch Krieg oder durch eine ökono­mische Flucht bedingt. Dr. Tokmak sprach in diesem Zusammenhang über einen unweigerlichen „Ausbruch“ bei den Betroffenen, sobald es zu einer Konfron­tation mit den traumatischen Ereignissen komme.

Auch die Rahmenbedingungen der Psychotherapie waren Thema der Diskus­sion; des Weiteren die Frage, wie erfolgreich eine Therapie überhaupt sein kann, wenn zur Behandlung ein Dolmetscher benötigt wird. Als wichtigste Erfahrung aus seiner praktischen Tätigkeit nannte Ismayil Tokmak die Erkenntnis, dass für eine gelingende Integration menschliche Anknüpfungspunkte ganz elementar seien; nur so sei es dem Migranten möglich, zu seiner neuen Heimat eine Brücke zu schlagen. Wenn dieser unmittelbare menschliche Zugang fehle, sei die Integration in erheb­lichem Maße erschwert.

Freundschaften seien auch eine Form der Psychotherapie – so lautete die Conclusio der Diskussion, die anschließend von den Gästen und Mitarbeitern des Instituts bei einem Buffet fortgeführt wurde.